Mehr über Gestalttherapie

 

"Gestalttherapie kann man nicht erklären, man kann sie nur erfahren."

 

Diesen Satz hören Sie vermutlich, wenn Sie einen Gestalttherapeuten nach Gestalttherapie fragen. 
Tatsächlich ist es genau so. Selbst wenn Sie alle Bücher über Gestalttherapie lesen, ersetzt dies nicht die Erfahrung die Sie machen müssen, um wirklich zu wissen was Gestalttherapie ist.

 

Für wen ist Gestalttherapie ?

Gestalttherapie ist in vielen Bereichen anwendbar. 

Als Einzel- und Gruppentherapie, bei Kindern, Jugendlichen, Erwachsenen und zur Paar- und Familientherapie. 

Sie hat sich auch recht gut bewährt als Methode der Supervision und Coaching für die Mitarbeiter in pädagogischen und psychosozialen Arbeitsbereichen. 

In zunehmendem Umfang findet sie auch Anwendung in der Organisationsentwicklung (z.B. Beratung von pädagogischen und sozialen Einrichtungen hinsichtlich ihrer Strukturen und Arbeitsprozessen).

Die Ursprünge
Die Gestalttherapie wurde ab Anfang der 40er Jahre von Fritz Perls und seiner Frau Lore Perls entwickelt. Beide waren Juden und sind während des Nationalsozialismus nach Afrika emigriert, später dann nach Amerika umgesiedelt. Dort wurde die Gestalttherapie zusammen mit dem Soziologen Paul Goodman in Amerika 1951 erstmals theoretisch formuliert.

Fritz Perls
Fritz und Lore Perls waren in Deutschland ausgebildete Psychoanalytiker. 
Sie verfolgten nicht nur ihre eigenen Grundideen, sondern ließen sich, auf Grund eigener krisenhafter Erfahrungen,  durch andere geistige Richtungen beeinflussen. 
Dazu gehören neben der Psychoanalyse 
- die Existenzphilosophie, 
- die Gestaltpsychologie, 
- Zen-Buddhismus, 
- das Psychodrama, 
- die humanistische Psychologie, 
- die Gruppendynamik und noch vieles andere. 

So hat sich die Gestalttherapie als ganzheitliches Therapieverfahren entwickelt, das die körperlich-seelisch-geistige Integration der Person in seiner Umwelt zum Ziel hat. 
Fritz und Lore Perls dachten an verschiedene Namen für die von ihnen entwickelte Therapieform, unter anderem an "Konzentrationstherapie", "Gewahrseinstherapie" oder "existenzielle Therapie". Sie entschieden sich dann aber für "Gestalttherapie", da sie, ähnlich wie die Gestaltpsychologie,  die Wahrnehmung in den Vordergrund stellt und sich mit den Besonderheiten der menschlichen Wahrnehmung beschäftigt.
Ein wichtiger Satz von Fritz Pers heißt:"Bewusstheit erzeugt Veränderung"!. Gestalttherapie unterstützt dabei, mehr Bewusstheit zu erlangen.

Methode
Die Gestalttherapie stellt das unmittelbare Erleben, das in der therapeutischen Situation entsteht, in den Mittelpunkt ihrer Arbeit. 
Der Gestatttherapeut ist Teil dieses Erlebens im Rahmen der therapeutischen Beziehung. Es ist wichtig wie der Klient Beziehung gestaltet und erlebt. Es geht um den Kontakt und das, was zwischen dem "Ich" und dem "Du" geschieht. 
Die wichtigste Frage heißt: was erlebst Du jetzt, hier und in diesem Augenblick? 
Diese Frage bezieht sich sowohl auf, die körperliche, emotionale und intellektuelle Ebene des Erlebens. 
Es ist oft recht schwierig, diese Frage beantworten zu können, da ununterbrochen Erleben geschieht. 
Hier gibt es dann verschiedenen Möglichkeiten (Experimente) um mit dem eigenen Erleben in Kontakt zu kommen. Sobald mir bewusst wird was ich tue (erlebe) kann ich die Entscheidung treffen es so zu belassen oder möglicherweise zu ändern. 
Ich frage nicht mehr warum ich etwas tue, sondern: wie tue ich es. 
Zum Beispiel statt: "warum fürchte ich mich so, oder warum bin ich so gehemmt", frage ich: "wie mache ich mir selbst Angst, oder wodurch hemme ich mich". 
So wird deutlicher, dass ich selbst die Verantwortung für mein Tun übernehmen kann.  
Heilend ist, wenn man das, was gegenwärtig erfahren wird, akzeptiert und sich nicht anstrengt, es ändern zu wollen.

"Gestalt, als Weg zu mir selbst!
Es geht darum, herauszufinden, wer ich bin und mich so zu akzeptieren. "Werde der Du bist und versuche nicht jemand zu werden, der Du gerne sein möchtest!"

Zitat von Bruno Paul de Roeck

"Elefanten versuchen nicht Giraffen oder Schwalben zu werden, Radieschen versuchen nicht Rote Beete zu werden. Aber wir versuchen zu sein, was wir nicht sind. Wir ersticken in Idealen, die unerreichbar sind oder die nur auf unsere eigene Kosten erreicht werden können. Wir gehen auf Zehenspitzen, um nur ja nirgendwo anzustoßen, und werden schließlich ärgerlich auf unsere Zehen, wenn sie uns weh tun.

Gestalttherapie, oder auch einfach nur >Gestalt< ist eine Lebenseinstellung, die praktische Konsequenzen hat. 
Es geht um dich und mich und um unsere Erfahrung hier und jetzt. Wachstum ist hier das richtigere Wort für Therapie. Wachstum: spontaner, lebendiger und glücklicher sein. Deinen eigenen Kern mehr wertschätzen. Halberledigtes vollenden und neue Schritte wagen. (...) Gestalt versucht, angepasste Menschen, die in ihrem Joch nicht zufrieden sind, wieder auf eigene freie Füße zu stellen."